Überwachungskamera am Strand
Überwachungskamera am Strand

KI-Taxe statt Kur-Taxe: Versuch startet in Büsum & Schönberg

Die Sommer-Saison 2026 steht in den Startlöchern – und Schleswig-Holstein macht sich bereit für volle Strände, volle Promenaden und jede Menge Urlauber. Doch ein Problem zieht sich schon seit Jahren durch die Hochsaison: Viele Gäste drücken sich um die Kurtaxe. Für die Orte ein echtes Ärgernis – denn jedes Jahr fehlen dadurch zehntausende Euro. Geld, das eigentlich in saubere Strände, gepflegte Wege und die Infrastruktur vor Ort fließen soll.

Büsum und Schönberg testen neue Technik

Damit soll jetzt Schluss sein. In Büsum und Schönberg startet ab Mai ein Pilotprojekt, das ziemlich nach Zukunft klingt: Kurtaxe per Gesichtserkennung. Dafür werden aktuell hunderte Kameras installiert. Die Technik dahinter: künstliche Intelligenz, die erkennt, wer sich in den abgabepflichtigen Bereichen aufhält – und wann.

Einmal anmelden – der Rest läuft automatisch

Das Prinzip ist einfach: Urlauber scannen vor Ort einen QR-Code und registrieren sich mit ihrem Smartphone. Dabei verknüpfen sie ihr Gesicht mit ihren Daten und einem Zahlungsmittel. Sobald sie dann den Strand oder die Promenade betreten, läuft alles automatisch: Das System erkennt die Person – und die Kurtaxe wird direkt abgebucht.

Hilfe für alle, die nicht digital unterwegs sind

Wer kein Smartphone hat oder unsicher ist, bekommt Unterstützung. In vielen Geschäften und Restaurants helfen geschulte Mitarbeitende bei der Registrierung.

Fortschritt – aber auch offene Fragen

Die Idee: weniger Bürokratie, weniger Trickserei – und gerechtere Einnahmen für die Orte. Klar ist aber auch: Der Einsatz von Gesichtserkennung dürfte für Diskussionen sorgen. Thema Datenschutz inklusive. Ob das System wirklich funktioniert, zeigt sich in den kommenden Monaten. Sicher ist: Der Urlaub an Nord- und Ostsee wird digitaler.

Wir haben insgesamt 14 Strandzugänge, deswegen werden wir bei diesem Modellprojekt erstmal mit 14 Kameras arbeiten. Allerdings denken wir schon weiter: Wenn das Modellprojekt gut klappt, besteht die Überlegung, die Kameras künftig schon am Ortseingang zu installieren. Dort ensteht ein neuer Kreisverkehr, bei dem die Leute sowieso vom Gas runtergehen. So könnte man sie künftig direkt im Auto erfassen. Für uns hätte das immense Vorteile.
Oliver Kumbartzky, Bürgermeister der Gemeinde Büsum

Weitere Infos findet ihr hier

  • Welche Vorteile bietet das neue System?

    Durch das Pilotprojekt in Büsum und Schönberg könnte künftig auf hochpreisige und wartungsintensive Automaten verzichtet werden. Auch die Kosten für künftige Kontrolleure auf den Deichen und am Strand werden so vermieden. 

  • Wie wird die Kurtaxe von Personen eingezogen, die nicht registriert sind?

    Bei Besuchern, die ohne Registrierung den kurtaxepflichtigen Bereich betreten, greift die Datenbank der Bundesdruckerei: Dort sind die Fotos aller Personalausweise gespeichert. Diese können dann mit den durch die Kameras erfassten Gesichter abgeglichen werden. So lassen sich auch nicht registrierte Personen identifizieren – sie erhalten in der Regel etwa 14 Tage nach dem Strandbesuch eine Zahlungsaufforderung per Post. Kauft die Person beispielsweise ein Eis, wird in der entsprechenden Verkaufsstelle automatisch der noch offene Kurtaxebetrag abgebucht. Für Besucher, die bis dahin noch nicht bezahlt haben, fällt dann zusätzlich eine Strafe in Höhe von 25 Euro an!

  • Welche weiteren Regeln bringt die KI-Taxe mit sich?

    Mit Einführung der Technik wird eine Art „Kleiderordnung“ in den kurtaxepflichtigen Bereichen notwendig. Besucher werden gebeten, auf Schirmmützen, Sonnenhüte und Sonnenbrillen außerhalb von Gebäuden zu verzichten. 

Wie steht Schleswig-Holsteins Tourismus-Minister Claus Ruhe Madsen zu dem Projekt?

Erinnert das Ganze nicht an einen Überwachungsstaat?