Den gesetzlichen Krankenkassen fehlt derzeit ein Betrag von 7,8 Milliarden Euro in ihren Budgets. Um dieses Defizit zu füllen, werden nun die Versicherten zur Kasse gebeten. Die meisten Versicherer wollen rund 8 Euro pro Monat zusätzlich erheben.
Grund für das Minus ist der 2007 von der Großen Koalition eingeführte Gesundheitsfonds: Die Kassen müssen seitdem einen einheitlichen Beitragssatz erheben, der derzeit bei 14,9 Prozent liegt. Das Geld fließt in einen gemeinsamen Gesundheitstopf, aus dem jede Krankenkasse ihr Geld bezieht.
Doch viele Kassen kommen mit der zugeteilten Summe nicht hin. Das Gesetz sieht daher vor, dass sich eine Krankenkasse in diesem Fall das fehlende Geld von den Versicherten in Form von Zusatzbeiträgen holen darf. Bleibt hingegen Geld übrig, dürfen die Kassen Prämien an ihre Mitglieder ausschütten.
Die Vorstandschefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (Spitzenverband GKV), Doris Pfeiffer, weist jegliche Vorwürfe des Fehlmanagements von sich. In einem Radiointerview betonte sie, dass die Ausgaben für Ärzte und Krankenhäuser deutlich gestiegen seien und höhere Beiträge erforderlich machten.
Bis zum 1. Juli, davon geht der Spitzenverband GKV aus, werden rund die Hälfte aller Kassenmitglieder mit Zusatzbeiträgen belastet. Spätestens Anfang des nächsten Jahres werden die restlichen Krankenkassen und ihre Versicherten folgen.
DAK und KKH-Allianz haben bereits öffentlich angekündigt, die zusätzlichen Beiträge zu erheben; von den Zusatzbeiträgen verschont bleiben bislang nur die Privatversicherten. Gleiches gilt vorerst auch für gesetzlich Versicherte der AOK und Techniker Krankenkasse.
Nein. Die Zusatzbeiträge gelten als rechtlich abgesichert. Weigern Sie sich, müssen Sie mit einem Mahnverfahren rechnen. Allerdings beschäftigt sich mittlerweile das Kartellamt mit der Erhebung von Zusatzbeiträgen: Zahlreiche Verbraucher haben geklagt, weil sie das Wettbewerbsrecht eingeschränkt sehen, wenn alle Kassen gleichermaßen zusätzliches Geld fordern.
Diese Entscheidung muss jeder selbst treffen. Wechselt man jetzt zu einer Kasse ohne Zusatzbeiträge, kann diese vielleicht in wenigen Monaten auch acht Euro zusätzlich erheben.